Historie

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Die ersten Schritte

Als am Deutschen Eck der Fußball so langsam anfing zu rollen, war die TuS noch nicht dabei. Der neue Sport galt in seinen Anfangsjahren als „unfeine Körperbetätigung“ und hatte es dementsprechend schwer, sich durchzusetzen. Zwar hörten die Interessierten ab und an mal von Fußballspielen, die meist auf Spielfesten ausgetragen wurden, aber viel mehr Aufsehen erregte das „undeutsche Spiel“ nicht. Erst am 1. Oktober 1900 war es im „Schängelland“ soweit. Vierzehn Sportfreunde, in erster Linie Gymnasiasten, gründeten mit dem FC 1900 Koblenz den ersten Fußballverein der Stadt. Dem Beispiel folgten immer mehr sportbegeisterte Jugendliche. Weitere Vereinsgründungen gab es in den Vororten von Pfaffendorf und Ehrenbreitstein. Und auch im Stadtgebiet stieg mit dem SC 1900 Fortuna Koblenz, dem SC 1907 Moselweiß, den Preußen, der Britannia, dem Ballspielclub und Rhenania Koblenz die Zahl der Kickerfreunde. Allerdings hatten einige Vereine nur eine sehr kurze Lebensdauer. Heute ist Rot-Weiß Koblenz Traditionsträger dieser Klubs.

 

Drei Neugründungen

Auch im Dorf der Fischer und Flößer hatte man von dem neuen Sport Kenntnis erlangt. Bereits seit 1864 gab es mit dem TV Neuendorf einen Sportverein, doch bis zur Gründung des ersten Fußballklubs sollte es in dem kleinen Vorort der Garnisonstadt, der 1891 in das Gebiet der Stadt Koblenz eingegliedert worden war, dauern. Das Jahr 1910 gilt mit der Gründung des FC Concordia als Geburtsstunde des Fußballs in Neuendorf. Nur ein Jahr später folgte der FC Deutschland Neuendorf. Die Schüler Johannes Kottemeier, Peter Nick, Peter Miltz, Wilhelm Miltz, Fritz Holz, Peter Schwolen, Heinrich Lamberti, Karl Bohr, Johann Blank, Wilhelm Lotz und Josef Schellenbach legten 1911 den Grundstein zur heutigen TuS Koblenz. Sie alle waren Rebellen ihrer Zeit, denn trotz Verbote ihrer Schulleitung trafen sich die Vereins- und Gründungsmitglieder zu Wettstreiten mit anderen Sportfreunden und kickten auf der Rheinschanze nahe der heutigen Goetheschule. Ein Jahr später wurde noch der FC Alemannia Neuendorf geboren. Doch die neu entfachte Fußballeuphorie war in der kleinen rheinischen Gemeinde sehr schnell wieder verflogen. Der erste Weltkrieg rief 1914 zu den Waffen und so mussten auch die meisten Mitglieder der Klubs die Heimat verlassen. Als Letzter stellte der FC Deutschland, der die jüngsten Mitglieder besaß, seinen Spielbetrieb 1917 ein.

 

Neuanfang

Nach Kriegsende machten die Repressalien der Siegermächte einen Neuanfang sehr schwer. Weil Koblenz eine große Garnisonsstadt war, gab es dort besonders große Probleme. Dazu kam, dass bisher kaum ein Verein aus der Region dem Westdeutschen Spielverband beigetreten war. In Neuendorf wurde erst 1919 der Gedanke um das runde Leder wieder aufgegriffen. Die ersten Impulse gingen vom erst 18-jährigen Heinrich Kretzer aus. Die Mitglieder der drei Neuendorfer Fußballklubs fanden sehr schnell eine Linie und gründeten mit dem FV 1911 Neuendorf einen neuen Verein, der - wie man später am Gründungsjahr feststellte - seine Wurzeln in dem 1911 ins Leben gerufenen FC Deutschland Neuendorf sah. Auch ein Zusammenschluss mit dem FC 1900 Koblenz schien möglich, aber letzten Endes wagte man lieber den sportlichen Vergleich mit seinem lokalen Konkurrenten. Eine, wie man später feststellen sollte, durchaus kluge Entscheidung, denn der Aufstieg des FV lief parallel zum Niedergang des FC 1900, wo mit Jakob Pies ein echter Neuendorfer Junge mithalf, die erste Mittelrheinmeisterschaft nach Koblenz zu holen. Pies zog es nach einem kurzen Gastspiel wieder zurück zu seinen Wurzeln. Verständlich, denn in seinem Heimatverein hatten sich in den letzten Monaten einige Aktive zu recht brauchbaren Kickern entwickelt. „Die Gelbe Gefahr“, so wurde das Team aus Neuendorf genannt, entwickelte sich zu einem Kassenschlager am Mittelrhein.

 

Der Verein blüht auf

Der Platz „Am Ufer“, der Eigentum der Stadt Koblenz war, förderte das Aufblühen des Klubs. Mit der Errichtung einer Straßenbahnlinie war es mittlerweile sogar auch Sportfreunden aus dem Stadtgebiet möglich, bequem zu den Heimspielen des FV anzureisen. Dies hatte zur Folge, dass um 1927 bei den Heimspielen des Klubs immer zwischen 2000 bis 3000 Zuschauer das Sportgelände in dem Koblenzer Vorort umsäumten. Erfreulich übrigens auch für die Gastvereine, weil in diesen Jahren auch bei Meisterschaftsspielen die Einnahmen geteilt wurden. Sportlich ging es bergauf mit den Neuendorfern. Die am Oberwerth beheimatete Konkurrenz vom FC versuchte nochmals mit einer Fusion dem entgegenzuwirken, scheiterte aber wie die Geschichte belegt. Dafür tauchte 1926 erstmals der Name FV Neuendorf in den Meisterlisten der Bezirksklasse, immerhin die zweite Liga, auf. 1920 war erstmals ein Team zum Spielbetrieb gemeldet worden und in der C-Klasse angetreten. Eine Übergangsstation, wie sich zwölf Monate später herausstellte. Der Meisterschaft folgten im Jahresrhythmus auch die Titelgewinne in der B- und A-Liga. Mit der Bezirksligameisterschaft 1926 schaffte der FV erstmals, 15 Jahre nach Vereinsgründung, den Sprung in die Erstklassigkeit und konnte auch hier nicht gestoppt werden. Gleich im ersten Jahr holte sich das Team in überlegener Manier die Meisterschaft. In den Spielen um die Rheinbezirksmeisterschaft, der damaligen Qualifikationsrunde zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, erwiesen sich allerdings der CfR Köln (2:5) und die SpVgg Odenkirchen (0:6) als zu schwere Gegner. Nur die SpVgg Sülz, einer der Vorläuferklubs des 1. FC Köln, konnte in Neuwied mit 3:2 bezwungen werden. Die Neuendorfer blieben auch in den kommenden Jahren im Rheinbezirk dominierend. Von 1927 bis 1932 holte sich das Team jeweils den Titel im Bereich Mittelrhein. Allerdings wurde genauso regelmäßig bei den Endrunden gegen die anderen Rheinbezirksmeister Lehrgeld bezahlt.

 

Drittes Reich und Fusion

Am 30. Januar 1933 änderte sich das Leben in Deutschland. Die Nazis kamen an die Macht und überwachten fortan in allen Bereichen das Leben der Bevölkerung. Der DFB hatte keinerlei Probleme damit, sich den neuen Machthabern unterzuordnen. Dabei füllten Sportverbände seit vielen Jahren das Sportgeschehen mit Leben. Neben dem DFB gab es noch die ATSB (Arbeiter-Sportbewegung) und die DJK (Deutsche Jugendkraft). Die DJK sah sich als Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinen. 1920 war dieser Verband in Würzburg gegründet worden und hatte auch in Neuendorf Anhänger gefunden, die den DJK Neuendorf ins Leben riefen. Auch unter seinem Dach gab es Länderspiele und Deutsche Meisterschaften im Fußball. Doch 1935 war es auch mit dem Sportverband der DJK vorbei. Das braune Gesindel verbot den Katholischen Sportverband. Zu diesem Zeitpunkt gab es die DJK Neuendorf schon nicht mehr. Genauso wenig wie den TV Neuendorf. Die Klubs waren 1934 mit dem FV Neuendorf 1911 fusioniert und gründeten den Großverein TuS 1911 Neuendorf.

 

Alle Neue macht der Juli

Die neue Zeit im Fußball begann am 13. Juli 1933. Das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft nutzte die Propagandamaschinerie dazu, Neuerungen bekanntzugeben. Zuvor waren DFB-Vorstand und Ausschüsse noch schnell auf die politische Linie eingebogen, um zumindest teilweise auch unter der brauen Regentschaft ihre Posten behalten zu können. Zumindest teilweise glückte dies auch. Natürlich wurden auch die Grenzen für diese Landesgaue neu gezogen. Koblenz fiel in den Gau XI, was zur Folge hatte, dass nun Spiele gegen die Vereine aus dem Kölner und Trierer Raum zum Tagesgeschäft gehörten. Die Teams erwiesen sich als zu stark und verdammten die TuS 1934 zum ersten Abstieg in der Vereinsgeschichte. Nur eine Saison dauerte die Zweitklassigkeit, 1935 gelang die sofortige Rückkehr in Liga eins. Nach dem souveränen Titelgewinn in der Bezirksliga stellte auch die Aufstiegsrunde die Schängel vor keine allzu großen Probleme. Recht schnell stellte sich heraus, dass es auch in dieser Saison nur um den Klassenerhalt ging. Nach der Hinrunde lag die Mannschaft nur drei Punkte über einem Abstiegsplatz, und die ersten Wochen des neuen Jahres sollten auch frühzeitig die Abstiegsfrage klären. Zum Rückrundenauftakt führte die Reise zum Tabellenletzten Westmark Trier. Nur 2.000 Zuschauer hatten sich zu diesem wichtigen Spiel eingefunden, welches 2:2 endete. Nur eine Woche später kam die Trierer Eintracht ans Rheinufer. Mit 7:1 wurde das Team aus der Römerstadt erst in die Heimat, und am Ende der Saison in die zweite Liga geschickt. Begleitet wurde die Eintracht vom Ortsrivalen. Beide Vereine lagen zum Schluss abgeschlagen am Ende der Tabelle. Mit dabei in diesen Wochen war übrigens bereits ein junger Akteur namens Josef Gauchel.

 

Der neue Stern

Gauchel sorgte schon seit einigen Monaten am Mittelrhein für Aufsehen und hatte dadurch auch den Weg in Herbergers berühmtes Notizbuch gefunden. Der spätere Bundestrainer assistierte zu diesem Zeitpunkt noch Otto Nerz, der 1926 als erster Trainer der deutschen Nationalmannschaft unter Vertrag genommen wurde. Der Mannheimer Herberger war selbst dreifacher Nationalspieler und hatte unter Nerz die Sichtung des Nachwuchses als Hauptaufgabe. So stellte er auch die Mannschaft der Olympiaauswahl im Testspiel gegen die englische Profielf des FC Everton zusammen. In dem Spiel wusste Gauchel so zu gefallen, dass er auch noch den Sprung zu Olympia in Berlin schaffte. Und genau bei diesen Olympischen Spielen feierte der erste Neuendorfer sein Comeback in der Nationalelf. Beim 9:0 gegen Luxemburg trug sich Stürmer Gauchel zweimal in die Torschützenliste ein. Umso unverständlicher war, dass er drei Tage später nur auf der Tribüne saß und im Berliner Poststadion die 0:2-Niederlage gegen die Norweger mit ansehen musste. Das peinliche Ausscheiden forderte mit der Absetzung von Otto Nerz recht schnell sein Bauernopfer. „Die Mannschaft sei übertrainiert worden“, so lautete der Vorwurf aus dem Verband, und der Benrather Spieler Karl Hohmann drückte sich sehr bildlich aus: „Wir hatten noch nicht mal Zeit zum Kacken“, beschrieb er die Zustände während des Trainings. Jupp Gauchel war dies egal. Er spielte sich immer mehr in den Mittelpunkt und hatte in den folgenden Jahren beim „Bundessepp“ einen Stammplatz sicher, was er seinem Förderer mit 13 Toren in 16 Spielen dankte. Erst 1942, als ein gewisser Fritz Walter die Fußballbühne betrat, endete die Laufbahn von Gauchel im Trikot mit dem Bundesadler auf der Brust.

 

TuS als Fahrstuhlmannschaft

Bemerkenswert war, dass Gauchel selbst als „Zweitligakicker“ regelmäßig zu den Spielen der Nationalmannschaft eingeladen worden war. 1936 hatten die Schängel die Gauliga wieder einmal verlassen. Erneut dauerte auch hier die Zweitklassigkeit nur zwölf Monate. Die Mannschaft war in der Bezirksklasse tonangebend, sechs Punkte betrug am Schluss der Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus Lützel. In der Aufstiegsrunde ließ die Mannschaft um Jupp Gauchel, der zu Saisonbeginn auch das Amt des Trainers übernommen hatte, die Teams aus Kreuznach, Betzdorf und Köln-Poll ebenfalls hinter sich und schaffte überlegen die Rückkehr ins Oberhaus des Gaues Mittelrhein. Als im August 1938 der Startschuss in das neue Spieljahr fiel, ahnte wohl kaum jemand, dass dies die letzte unbeschwerte Saison für viele Jahre sein sollte. Die Mannschaft von der TuS schien gut gerüstet in das neue Spieljahr zu gehen, zumal sich der Klub noch hervorragend verstärken konnte. Unter anderem war Lukas „Harry“ Aurednik, gerade erst mit Rapid Wien Österreichischer Meister geworden, nach einem Freundschaftsspiel am Oberwerth ans Deutsche Eck gewechselt. Trotzdem ging es am Ende erneut eine Liga tiefer. So zumindest der Stand im Juni 1939. Eigentlich hätte am 27. August 1939 die neue Saison in den Gauligen starten sollen, doch die pausenlosen Alarmmeldungen sorgten zunächst für eine fast komplette Absage der ersten Spieltage in ganz Deutschland. Als dann am 1. September „zurückgeschossen“ wurde, unterband Tschammer bis Ende Oktober jeglichen Spielbetrieb. Im Westdeutschen Spielverband hatte der Krieg eine Neueinteilung der Gauligen zur Folge, wodurch die TuS nun doch erstklassig blieb. Angesichts der kriegsbedingten Einschränkungen der Brennstoffe sowie des Eisenbahnverkehrs war die eingleisige Gauliga Mittelrhein in zwei Gruppen aufgeteilt worden und startete mit ihrem Programm Anfang Dezember 1939. Allerdings dauerte die Freude nur einen Sommer. Als Tabellenletzter schloss man die Meisterschaftsrunde ab und musste 1940 wieder einmal in die Zweitklassigkeit absteigen. Ein Punkt fehlte am Schluss zum Klassenerhalt. Nach zahlreichen Meistertiteln Mitte der 20er Jahre schien der Klub zur Fahrstuhlmannschaft mutiert. Und diesem Ruf wurde das Team auch im Folgejahr gerecht. Erneut ging es, nach nur einem Jahr in Liga zwei, wieder nach oben. Nach Meisterschaft folgte der Durchmarsch in der Aufstiegsrunde.

 

Gau Moselland

Der Krieg hinterließ Spuren. Nicht nur, dass die Bevölkerung immer mehr ihrer Männer beraubt wurde und die Klubs vermehrt anstatt Vereinsmitglieder plötzlich Fronturlauber in ihren Reihen beherbergten, auch die Organisation der Spiele veränderte ihr Gesicht. Darüber hinaus gab es durch die Annektierung von Luxemburg auch sportliche „Neuzugänge“ aus dem Großherzogtum, die zumindest bei der Ermittlung des Gaumeisters als Gegner auftauchten. Die Spielstärke der „neuen“ Gauklasse war erheblich gesunken. Die TuS dominierte plötzlich als Neuling, gemeinsam mit der SG Eintracht Kreuznach, die Liga im Osten. Meister wurden am Ende die Nahestädter dank des besseren Torverhältnisses.

 

Erstmals Gaumeister

Noch verlief der Spielbetrieb insgesamt recht reibungslos. Zwar gab es bereits Luftangriffe über Deutschland, aber die Nazis setzten alles daran, dass die Bevölkerung im Fußball Zerstreuung fand. Im Gau Moselland war die zweite Spielzeit gestartet worden, an deren Ende sich die TuS in überlegener Manier die Meisterschaft sicherte. Im Vergleich mit dem Gaumeister der Gruppe 2 setzte sich die TuS ebenfalls durch, sodass 1942 erstmals Neuendorfer Fußballer in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft standen. Hier war Viktoria Köln als Gegner „angeordnet“ worden. Durch die vermehrten Luftangriffe war man im Sportbund zu dem Entschluss gekommen, das Reisen zu den Spielen zu vereinfachen. Die Euler-Schützlinge siegten im Koblenzer Stadion mit 2:0. Somit war das erste Koblenzer Endrundenabenteuer recht schnell beendet.

 

Erneut in der Endrunde

Als im Sommer 1943 die fünfte Kriegsmeisterschaft angepfiffen wurde, zeichnete sich immer mehr der Zusammenbruch des dritten Reiches ab. Auch Koblenz stand mittlerweile unter Dauerfeuer der Alliierten. Erneut setzte sich die TuS in der Gauliga Moselland Ost sicher durch, gewann auch gegen den Meister der Westgruppe und stand dadurch wieder in der Endrunde. Hier ging es zum FC Schalke 04, wo man deutlich mit 0:5 unterlag. Es sollte einer der letzten Auftritte der Neuendorfer Kicker vor Kriegsende bleiben. Die Kriegswirren machten einen Saisonstart im Gau Moselland unmöglich. Bereits im Oktober 1944 hatten die Alliierten Aachen eingenommen und machten sich von dort auf in Richtung Moselland, wo auch im Frühjahr 1945 der Krieg dann sein Ende fand. Das letzte feststellbare Spiel einer TuS-Elf gab es am 13. August 1944 gegen eine Auswahlmannschaft der Region Mosel, wo ein 7:5-Erfolg heraussprang.

 

Erfolgreiche Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die TuS aufgelöst, aber umgehend als SpVgg Neuendorf wieder gegründet und bereits 1947 in TuS Neuendorf rückbenannt. Den heutigen Namen trägt der Verein seit dem 15. März 1983. Kurz vorher hatten sich "Traditionalisten", die den alten Namen behalten wollten, als "TuS Neuendorf 1982" abgespaltet. Ihre erfolgreichste Zeit hatte die TuS in den ersten zehn Nachkriegsjahren, als sie der Spitzengruppe der Fußball-Oberliga Südwest angehörte und dreimal Südwest-Vizemeister wurde. 1948 erreichten die Neuendorfer das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft (1:5 gegen den 1. FC Kaiserslautern in Wuppertal). 1950 und 1956 spielten sie ebenfalls in der Endrunde, kamen aber nicht mehr so weit. Drei Jahre später stieg der Verein aus der Oberliga ab. Nach der Rückkehr 1960 gehörten die Neuendorfer zum unteren Tabellenmittelfeld. In der 1963 als Unterbau der neuen Bundesliga gegründeten Regionalliga Südwest verpassten die Neuendorfer keine Saison, gehörten aber nur selten zur Spitzengruppe. 1968 und 1969 nahmen sie als Vizemeister hinter dem SV Alsenborn (1969 punktgleich) an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga teil, scheiterten aber in ihren Fünfergruppen im ersten Jahr als Dritter hinter dem Aufsteiger Offenbacher Kickers und Bayer 04 Leverkusen, im zweiten Jahr als Fünfter hinter Rot-Weiss Essen, VfL Osnabrück, Karlsruher SC und Tasmania Berlin. 1974 verpassten die Neuendorfer die Qualifikation zur neuen 2. Bundesliga deutlich. In der Amateurliga Rheinland gehörte die TuS zu den Spitzenmannschaften. 1976 musste ein Entscheidungsspiel (1:2 gegen Eintracht Trier) her, um die Meisterschaft zu entscheiden, 1977 und 1978 wurden die Neuendorfer in der regulären Saison Rheinlandmeister. Den Aufstieg in den Profifußball schafften sie erneut nicht, qualifizierten sich aber für die 1978 gegründete Amateur-Oberliga Südwest. Aus der stieg die TuS 1981 ab.

 

Das Wunder vom Oberwerth

Die Rückkehr in die höchste südwestdeutsche Liga gelang erst 1994, als diese nur noch Oberliga Südwest hieß und als Unterbau der neuen Regionalliga nur viertklassig war. 1996 verpassten die Koblenzer erneut einen Aufstieg. Nach einer knapp abgewendeten Insolvenz im Sommer 2003 stiegen die Koblenzer 2004 überraschend in die Regionalliga Süd auf, wo sie in der Hinrunde zu den größten Überraschungsmannschaften zählten. Unter anderem gelangen Heimsiege gegen den Vorjahresmeister FC Bayern München (A), den SV Darmstadt 98, den FC Augsburg und den späteren Meister Kickers Offenbach. Mit 10.025 Zuschauern gab es gegen die Bayern erstmals seit Jahrzehnten eine fünfstellige Zuschauerzahl auf dem Oberwerth, die im Sommer 2005 in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Hertha BSC Berlin mit fast 15.000 Zuschauern nochmals überboten wurde. Am 13. Mai 2006 machte die TuS Koblenz unter Trainer Milan Sasic den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt und feierte das „Wunder vom Oberwerth“. Insgesamt vier Jahre lang hielten sich die Schängel in der zweithöchsten Spielklasse, ehe sie 2010 in die 3. Liga absteigen mussten. Nur ein Jahr darauf folgte der freiwillige Rückzug in die Regionalliga, aus der die TuS vier Jahre später in die inzwischen nur noch fünftklassige Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar abstieg. Die Blau-Schwarzen dominierten die Liga und machten mit vierzehn Punkten Vorsprung den direkten Wiederaufstieg perfekt.