11.04.2017 - 1. Mannschaft, TOP-News, Facebook

« zurück
Vorherige Nachricht Nächste Nachricht
Dienstag, 11. April 2017

Thomas Weis: Der Herr der Auswechseltafel

Eine neue Folge unserer Serie „Menschen bei der TuS“

Bild:
Foto: Alexander Schaerer

Es läuft die 90. Spielminute im Stadion Oberwerth. Die knappe Führung der TuS wackelt, der Gast drängt noch einmal auf den Ausgleich. „Schiri, wie lange denn noch?“, möchte ein TuS-Anhänger mit zittriger Stimme wissen. Währenddessen schreitet Thomas Weis an der Seitenlinie zur Tat, greift nach seiner Auswechseltafel, hält sie senkrecht in die Höhe. Natürlich spürt er die bangen Blicke der Fans in seinem Rücken. Und natürlich weiß er, dass jetzt alle Augen auf ihn gerichtet sind. Dann ein kurzes Aufblinken der Tafel – drei Minuten Nachspielzeit. Eine neue Folge unserer Serie „Menschen bei der TuS“.

Als „Helfer in der Not“ ist Thomas Weis längst nicht mehr aus dem Verein wegzudenken. „Ich bin bei der TuS quasi das Mädchen für alles“, sagt der 52-Jährige und berichtet von den Anfängen: „Mitte der 90er-Jahre habe ich hier und da mal ein paar Stadionhefte in der Stadt verteilt. Mit der Zeit wurden die Aufgaben immer vielfältiger und irgendwann entstand daraus dann das sogenannte TuS-Team.“ Heute besteht die Truppe aus einer Handvoll Leuten, zu Zweitligazweiten sind es auch schon mal über 20 Mann gewesen. „Da konnten wir uns vor Anfragen kaum retten“, erinnert sich Weis.

Die Bedienung der Auswechseltafel liegt seit 2004 in seinen Händen. Der gebürtige Koblenzer erzählt, wie es dazu kam: „Eines Tages ist der Verein auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich mir diese Aufgabe vorstellen könnte. Ich musste nicht lange überlegen und habe natürlich direkt zugesagt.“ Eben typisch Thomas Weis: Immer da, wenn man ihn braucht.

Als „Herr der Auswechseltafel“ ist der sympathische TuS-Fan jedes Mal mittendrin im Geschehen. „Am Seitenrand bekommt man natürlich alles hautnah mit“, so Weis, der sich vor dem Anpfiff immer persönlich beim Schiedsrichtergespann vorstellt. „Wenn man so will, bin ich der inoffizielle vierte Offizielle“, lacht Weis und fügt schmunzelnd hinzu: „Der einzige Unterschied besteht darin, dass der echte vierte Offizielle 1000 Euro pro Spiel bekommt, während ich alles ehrenamtlich mache.“

Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit muss sich Thomas Weis immer ganz besonders konzentrieren. „Wenn die Schlussminute läuft, achte ich gar nicht mehr auf das Spielgeschehen. Ich schaue dann nur noch auf den Schiedsrichter, um zu sehen, wie viele Minuten Nachspielzeit er signalisiert“, erklärt Weis. Heute hatte er Glück: Der Unparteiische stand praktisch genau vor ihm, als die drei Finger in die Höhe gingen. „So einfach habe ich es nicht immer“, sagt Weis, der seit 1995 TuS-Mitglied ist. „Manchmal steht der Schiedsrichter auf der gegenüberliegenden Seite. Da ist es schwierig, etwas zu erkennen.“

Es bleibt nicht aus, dass Thomas Weis dann auch schon mal eine falsche Ziffer aufblinken lässt. Der 52-Jährige erinnert sich: „Einmal habe ich eine zu lange Nachspielzeit angezeigt. Das führte hinterher auf dem Platz zu endlosen Diskussionen unter allen Beteiligten. Für einen Moment habe ich deshalb ernsthaft überlegt, ob ich nicht besser damit aufhöre.“

Diesen Gedanken hat Thomas Weis dann aber schnell wieder verworfen, schließlich liegt ihm der Klub zu sehr am Herzen. „Auch wenn man vielleicht nur ein ganz kleines Rädchen vom Ganzen ist, so ist es trotzdem ein schönes Gefühl, dass man irgendwie dazugehört. Wir sind alle zusammen wie eine große TuS-Familie. Es gibt hier so viel zu lachen und man lernt immer wieder neue tolle Leute kennen“, sagt Weis.

Die eingangs erwähnte dreiminütige Nachspielzeit hat die TuS übrigens schadlos überstanden. „Puh, das ist noch einmal gut gegangen“, atmet Thomas Weis erleichtert durch und legt die Auswechseltafel zur Seite. Zum nächsten Heimspiel wird er sie wieder hervorholen – und dann wird er natürlich wieder die bangen Blicke der TuS-Fans in seinem Rücken spüren.

Vorherige Nachricht Nächste Nachricht