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Dienstag, 08. August 2017

Die TuS im DFB-Pokal: Wunder gibt es immer wieder…

Wir erinnern an einige denkwürdige DFB-Pokalspiele der Schängel in den zurückliegenden zwölf Jahren

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Foto: Ein Tor für die Ewigkeit: Michael Stahl nach seinem Kunstschuss gegen Hertha BSC Berlin

Es ist der 26. Oktober 2010. Im DFB-Pokalspiel zwischen Zweitligist Hertha BSC Berlin und Underdog TuS Koblenz läuft die 60. Minute, als sich der Herthaner Adrian Ramos den Ball etwas zu weit vorlegt. TuS-Spieler Michael Stahl kommt von hinten angerauscht und zieht einige Meter jenseits der Mittellinie voll durch. Er will den Ball eigentlich nur klären, stattdessen aber gelingt ihm ein Schuss für die Ewigkeit. Wir erinnern an einige denkwürdige DFB-Pokalspiele der TuS Koblenz in den zurückliegenden zwölf Jahren.

Ein Befreiungsschlag, der zum Pokalhammer des Jahres wurde. Aus sagenhaften 61,5 Metern Entfernung brachte Stahl das Leder über den verdutzten Hertha-Keeper Marco Sejna hinweg im gegnerischen Kasten unter und damit die TuS auf die Siegerstraße. Als Marcus Steegmann elf Minuten später vom Elfmeterpunkt auf 2:0 erhöhte, war die Sensation vor 7.015 Zuschauern im Stadion Oberwerth perfekt. Daran konnte auch Ramos‘ später Anschlusstreffer (88.) nichts mehr ändern. Die Schängel hatten als Drittligist den Hauptstadtklub aus dem Wettbewerb gekegelt. Das Stadion stand Kopf, die Fans waren aus dem Häuschen. Und was sagte Pokalheld Stahl nach seinem historischen Treffer? „Ich habe in diesem Moment einfach nicht nachgedacht und mich an die Tipps meines Trainers gehalten. Er sagt immer: ‚Stahli, wenn du nicht weißt wohin mit dem Ball, dann hau‘ ihn einfach weg.‘ Das habe ich gemacht.“

Fünf Jahre zuvor blieb der TuS eine Pokalüberraschung gegen die „Alte Dame“ noch knapp verwehrt. Als seinerzeit drittklassiger Regionalligist empfingen die Koblenzer in der ersten Hauptrunde die Berliner vor 14.768 Zuschauern im Stadion Oberwerth. Das Spiel nahm zunächst den erwarteten Verlauf. Arne Friedrich brachte die Hauptstädter in der siebten Minute mit 1:0 in Führung. Für den Favoriten schien alles nach Plan zu laufen, ehe die TuS mit zwei Aluminiumtreffern aufhorchen ließ (Dimitrijus Guscinas, 31.; Anel Dzaka, 63.). Doch den Schängeln lief mehr und mehr die Zeit davon. Eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit brannte dann doch Jubel unter den blau-schwarzen Anhängern auf. Salif Keita traf zum 1:1 und erzwang damit die Verlängerung. Und die begann mit einem Paukenschlag. Erneut war Keita zur Stelle – plötzlich führte die TuS mit 2:1 (91.). Aber nicht lange, denn Marcelinho gelang fast im Gegenzug der schnelle Ausgleich (93.). Neun Minuten später war es dann um die tapferen Koblenzer geschehen: Nico Kovac erzielte das 3:2 für den Bundesligisten, der sich in der Folge die Butter nicht mehr vom Brot nehmen ließ. Der damalige TuS-Trainer Milan Sasic war dennoch stolz auf seine Schützlinge: „Mit der Leistung meiner Mannschaft bin ich sehr zufrieden. Sie hat auch nach dem frühen Rückstand weiter diszipliniert gespielt. Zum Ende sind wir leider um den verdienten Lohn gebracht worden.“

Um den verdienten Lohn wurden die Koblenzer auch im Jahr darauf gebracht. Dieses Mal ging der Pokalfight sogar bis ins Elfmeterschießen. Zu Gast vor 12.500 Zuschauern im Stadion Oberwerth war Bayer Leverkusen. Die TuS – gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegen – war durch einen Freistoßtreffer von Evangelos Nessos mit 1:0 in Führung gegangen (53.). Doch die Werkself konterte nur fünf Minuten später und kam durch Juan zum Ausgleich. Es blieb spannend. Kurz vor Ende der ersten Hälfte der Verlängerung brachte ausgerechnet der Ex-Leverkusener Kenan Sahin die TuS wieder in Front (104.). Aber die Schängel konnten die Führung nicht über die Zeit retten. Bernd Schneider markierte in der 111. Minute den Ausgleich. Im Elfmeterschießen wurde es dann hochdramatisch. Zunächst verwandelte Joshua Grenier für die TuS, ehe gleich drei Koblenzern (Goran Sukalo, Frank Wiblishauser, Rüdiger Ziehl) die Nerven versagten – die Entscheidung war gefallen und Bayer Leverkusen konnte gerade noch so den Kopf aus der Schlinge ziehen.

Im September 2009 warf die TuS als damaliger Zweitligist den Ligakonkurrenten Energie Cottbus in der zweiten Pokalrunde aus dem Wettbewerb. Es war ein harter Kampf über insgesamt 120 Minuten. Nach einer Viertelstunde hieß es bereits 1:1. Die schnelle Energie-Führung durch Emil Jula (9.) glich Zoltan Stieber aus (14.). Die 5.046 Zuschauer im Stadion Oberwerth bekamen keinen fußballerischen Leckerbissen geboten, dafür aber wurde im Mittelfeld um jeden Zentimeter gekämpft. Im zweiten Durchgang war es Everson, der das 2:1 für Koblenz besorgte (52.). Energie geriet unter Zugzwang, schaffte elf Minuten vor dem Ende aber doch noch den Ausgleich durch Dennis Sörensen (79.). Die Verlängerung musste her. Erneut war es Everson, der seine Farben in Führung brachte (104.). Cottbus startete in der Folge ungestüme Angriffe, das Tor aber fiel auf der anderen Seite. Tom Geißler machte in der Schlusssekunde mit dem 4:2 den Deckel drauf.

Als „Wasserschlacht vom Oberwerth“ ging im August 2010 die Erstrundenpartie zwischen der TuS Koblenz und Fortuna Düsseldorf ein. Vor 9.065 Zuschauern rangen die drittklassigen Schängel den Zweitligisten bei strömenden Dauerregen mit 1:0 nieder. Kampf war Trumpf auf dem aufgeweichten Geläuf. Die TuS hielt den Favoriten in Schach und verdiente sich dank einer mannschaftlichen Geschlossenheit das Weiterkommen. Den Pokal-Coup perfekt machte Johannes Rahn, der sieben Minuten vor dem Abpfiff eine Freistoß-Hereingabe mit dem Kopf verwertete. Rahns Sturmpartner Marcus Steegmann sagte nach dem Spiel: „Schon nach einer halben Stunde hatte ich ein gutes Gefühl. Ich wusste, dass heute etwas geht. Als Jo dann das Tor gemacht hat, war ich schon zu kaputt zum Jubeln.“

Ihren letzten Auftritt im DFB-Pokal hatte die TuS im Januar 2011. Ursprünglich sollte das Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern bereits kurz vor Weihnachten über die Bühne gehen, doch aufgrund starker Schneefälle musste die Partie kurzfristig abgesagt werden. Einen Monat später konnte dann gespielt werden – und es sollte mal wieder ein packender Pokalfight im Stadion Oberwerth werden. Die TuS erwischte vor ausverkaufter Kulisse einen Traumstart und ging nach etwas mehr als einer Viertelstunde durch Thomas Klasen mit 1:0 in Führung (17.). Es roch nach der nächsten Sensation. Erst recht, als Keeper Dieter Paucken in der 37. Minute einen Foulelfmeter von Srdjan Lakic parieren konnte. Der Bundesligist wankte, konnte im zweiten Durchgang aber doch noch die Blamage abwenden. Elf Starke Minuten mit Toren von Lakic (54., 59., 65.) und Adam Nemec (64.) reichten dem FCK zum Viertelfinaleinzug. „Die Sensation lag in der Luft. Wir hatten die Chance, Kaiserslautern zu schlagen. Leider war innerhalb von wenigen Minuten alles kaputt und wir konnten den Schalter nicht mehr umlegen“, so Torschütze Klasen nach der 1:4-Niederlage.

Am Freitag, 11. August, ist die TuS also nach sechseinhalbjähriger Pause wieder im DFB-Pokal vertreten. Ein Weiterkommen gegen Dynamo Dresden? Nicht unmöglich. Schließlich haben die vergangenen Auftritte der Schängel im DFB-Pokal aufgezeigt: Wunder gibt es immer wieder!

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